Barrierefreiheit
Was ist Barrierefreiheit und inwiefern spielt es bei Medien eine Rolle?
Wie definiert sich Barrierefreiheit?
Barrierefreiheit (engl. Accessibility) bezeichnet die Gestaltung von Gegenständen, Medien und Lebensbereichen, die so konzipiert sind, dass sie von allen Menschen – unabhängig von körperlichen oder technischen Einschränkungen – in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe aufgefunden, zugänglich und nutzbar sind.
Wichtig ist dabei das Verständnis, dass eine Beeinträchtigung nicht nur permanenter Natur sein kann, sondern jede Person jederzeit auch kurz- oder mittelfristig mit Einschränkungen konfrontiert sein könnte. So bezieht sich beispielsweise eine auditive Einschränkung nicht nur auf die permanente Gehörlosigkeit, sondern kann auch durch eine akute Ohrentzündung, einen Hörsturz oder schlicht durch ein Hörgerät mit leerer Batterie hervorgerufen werden. Barrierefreiheit hilft uns somit gesamtgesellschaftlich und sollte gerade im Medienbereich konsequent weitergedacht werden.
In der Medienproduktion bedeutet dies konkret, dass Informationen so aufbereitet werden, dass sie beispielsweise für blinde Menschen durch Screenreader (Vorlese-Software), für Menschen mit Sehschwächen durch hohe Kontraste oder für Menschen mit motorischen Einschränkungen durch eine einfache Tastaturbedienung vollumfänglich erfassbar bleiben.
Welche Rolle spielt Barrierefreiheit im digitalen und medialen Raum?
Im Bereich der digitalen Dokumente (insbesondere PDFs) bedeutet Barrierefreiheit, dass Inhalte nicht nur optisch, sondern auch technisch „lesbar“ sein müssen.
Damit ein Dokument als barrierefrei gilt, muss es bestimmte technische und gestalterische Kriterien erfüllen:
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Tagging (Strukturierung): Das Dokument erhält eine unsichtbare Struktur-Ebene. Überschriften, Absätze, Listen und Tabellen werden als solche markiert (getaggt), damit Screenreader für blinde oder sehbehinderte Menschen die richtige Lesereihenfolge erkennen.
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Alternativtexte für Bilder: Da Bilder für Screenreader nicht „sichtbar“ sind, müssen hinterlegte Textbeschreibungen erklären, was auf den Grafiken zu sehen ist.
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Kontraste und Lesbarkeit: Schriftgrößen, Schriftschnitte und Farbkombinationen müssen so gewählt werden, dass sie auch für Menschen mit Sehschwächen oder Farbfehlsichtigkeiten gut erkennbar sind.
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Navigierbarkeit: Ein barrierefreies PDF verfügt über ein funktionierendes Inhaltsverzeichnis und Lesezeichen, um ein schnelles Springen zwischen den Kapiteln zu ermöglichen.
- Untertitel & Audiotranskription: Sollte eine Medienanwendung Videos enthalten, müssen diese untertitelt sein. Auf diese Weise können Informationen auch dann erfasst werden, wenn kein Audio-Ausgang zur Verfügung steht (z. B. in geräuschempfindlichen Umgebungen) oder auditive Inhalte aufgrund von körperlichen Einschränkungen nicht wahrgenommen werden können. Das Standardformat für Untertitel von Web-Videos ist dabei .srt (SubRip). Bei rein auditiven Inhalten wie Podcasts sorgen zusätzliche Text-Transkripte für die nötige Zugänglichkeit.
Gesetzliche Anforderungen: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)
Spätestens seit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes ist das Thema keine rein freiwillige Leistung mehr. Viele Unternehmen und öffentliche Stellen sind gesetzlich verpflichtet, ihre digitalen Informationen (inklusive Broschüren und Berichte im PDF-Format) barrierefrei zur Verfügung zu stellen. Der maßgebliche technische Standard hierfür ist das Format PDF/UA (Universal Accessibility).
Barrierefreiheit in der Druckvorstufe
Die Erstellung barrierefreier Dokumente beginnt bereits im Layout-Programm (z. B. Adobe InDesign). Ein nachträgliches „Heilen“ fertiger PDFs ist oft mühsam und fehleranfällig. In der professionellen Druckvorstufe legen wir die Dokumente von Grund auf so an, dass die Export-Einstellungen für Barrierefreiheit bereits berücksichtigt werden.
Warum Barrierefreiheit für alle ein Gewinn ist
Barrierefreie Medien bieten Vorteile, die weit über die Zielgruppe der Menschen mit Behinderung hinausgehen:
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Bessere Auffindbarkeit: Durch die saubere Strukturierung können Suchmaschinen (SEO) den Inhalt der Dokumente wesentlich besser erfassen.
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Usability: Klare Strukturen und gute Kontraste erhöhen den Lesekomfort für alle Nutzer, egal ob auf dem Smartphone oder am Desktop.
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Imagegewinn: Unternehmen zeigen soziale Verantwortung und Professionalität, indem sie niemanden von ihren Informationen ausschließen.
Barrierefreiheit als Standard: Wir begleiten Sie auf dem Weg zum barrierefreien Dokument oder Landingpage. Mit unserer Expertise in der Druckvorstufe stellen wir sicher, dass Ihre Publikationen nicht nur im Druck perfekt aussehen, sondern auch digital dem PDF/UA-Standard entsprechen. Wir prüfen Kontrastverhältnisse, setzen korrekte Tags und formulieren präzise Alternativtexte. Zudem wenden wir die vom W3C definierten Richtlinien für ein barrierefreies Web bei der Erstellung von Landingpages für Ihre Digitalkampagnen an. So erreichen Ihre Inhalte wirklich jeden.

